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Historie: Porsche Einstieg bei Volkswagen bis hin zu Volkswagen kauft Porsche

Im Oktober 2005 gab Porsche bekannt, sich mit 20 Prozent am Stammkapital der Volkswagen AG zu beteiligen. Zum einem aus dem Grund, dass die Geschäftsbeziehung zwischen Porsche und Volkswagen gefestigt wird und somit auch die F&E gemeinsam genutzt wird. Der andere Grund war die Befürchtung, dass Volkswagen von einem Hedge-Fonds übernommen und zerlegt wird . Zu diesem Zeitpunkt verfügte Porsche über liquide Mittel (inkl. Wertpapiere) von über 3 Mrd. Euro, was dem Marktwert des Volkswagen-Aktienpaktes entsprach.

Ein Jahr später (November 2006) teilte der Volkswagen-Aufsichtsrat mit, dass Porsche seinen Anteil auf bis zu 29,9 Prozent aufstocken will. Zu diesem Zeitpunkt besaß der Stuttgarter Sportwagenhersteller schon 27,4 Prozent vom Volkswagen-Konzern, also rund 6 Prozent mehr als bislang bekannt war.

Im Geschäftsjahr 2005/06 hat Porsche erneut einen Rekordgewinn eingefahren. Das Ergebnis vor Steuern belief sich auf 2,11 Mrd. Euro, das sind 70 Prozent mehr als noch ein Jahr zuvor. Der Konzernjahresüberschuss stieg von 779 Mio. Euro auf 1,393 Mrd. Euro, ergo ein Plus von über 78 Prozent. Außerdem wurde mitgeteilt, dass der Vertrag von Porsche-Vorstandchef Wiedeking um weitere fünf Jahre verlängert wird .

Diese Geschäftsergebnisse sprechen für sich. Zum einen um die strategischen Zusammenarbeit mit Volkswagen zu stärken und zum anderen Volkswagen auch weiterhin vor einer feindlichen Übernahme zu schützen.

Seit dem Einstieg des Stuttgarter Sportwagenherstellers bei dem etwa fünfzehnmal größeren Autokonzern Volkswagen, steigen die Kurse der Volkswagen-Aktien weiter an. Experten deuten darauf, dass sich Porsche mit seinem bisherigen Volkswagen-Anteilen nicht zufrieden gibt.

Der Spiegel (September 2007) zitierte Börsenhändler damit, Porsche bereite am Kapitalmarkt die Aufstockung seines Anteils bei Volkswagen auf über 50 Prozent vor. Porsche-Sprecher teilten daraufhin mit: Es gebe keine Entscheidung des Aufsichtsrates, über 31 Prozent zu gehen .

Laut aktuellen Presseberichten (2009), hält Porsche inzwischen knapp 51 Prozent an Volkswagen, dieser Mehrheitsanteil hat bisher 23 Mrd. Euro gekostet und wurde neben Gewinnen aus Aktientermingeschäften primär mit Bargeld finanziert. Letzteres führte zu Verbindlichkeiten i.H.v. 16.2 Mrd. Euro (Januar 2009) .

Erschwerend hinzu kommt für Porsche die Wirtschaftskrise und die Flaute am Automarkt, vor allem in den USA. Auch die Abwrackprämie hilft nicht, denn Sie wird vor allem für den Kauf von Kleinwagen genutzt.

Im April 2009 kam es zu einem Zusammentreffen des Porsche-Vorstands und der Eigentümerfamilien Porsche und Piëch, um darüber zu verhandeln, wie die Milliardenlücke geschlossen werden kann.

Dafür wurde von Seitens Piëchs und Wiedekings jeweils ein Konzept vorgelegt.

Das Konzept Piëchs sieht einen Verkauf der Porsche AG an Volkswagen vor. Demnach würde Volkswagen die Porsche AG für cirka 11 Mrd. Euro kaufen und Porsche wäre auf einen Schlag schuldenfrei . Dieses Konzept ist schon dahingehend fragwürdig, weil die Verbindlichkeiten im Januar 2009 über 16 Mrd. Euro betrugen und daher die angebotenen 11 Mrd. Euro von Piëch nicht zur sofortigen Schuldendeckung reichen würden.

Zudem habe Piëch vorgeschlagen, sich sofort von Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und Porsche-Finanzvorstand Holger Härter zu trennen und an deren Stellen Martin Winterkorn und Hans Dieter Pötsch einzusetzen .

Das Gegenkonzept von Wiedeking besagt, dass Porsche von dem Plan, 75 Prozent an Volkswagen zu erwerben, abrückt. Zudem teilte Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück den Familienvertretern mit, dass Sie in den vergangenen zehn Jahren dank steigender Unternehmensgewinne 15 Mrd. Euro verdient haben und die Eigentümerfamilien nun kein Geld in den Konzern investieren wollen und stattdessen einem Verkauf zustimmen .

D.h. Porsche müsste erst einmal in mehreren Schritten „fusionsfit“ gemacht werden. Dazu wurde folgender Vorschlag unterbreitet:

• Erstens: Die Eigentümerfamilien Porsche und Piëch investieren frisches Geld in das Unternehmen i.S. einer Kapitalerhöhung.
• Zweitens: Auch die Vorzugsaktionäre sollen neues Kapital zeichnen können.
• Drittens: neue ausländische Investoren könnten hinzukommen, wie Scheichs aus Katar .

Weiterhin ließ Wiedeking erklären, der Vorstand sei nicht nur den Familienaktionären, sondern allen Aktionären verpflichtet, ebenso den Belegschaften von Porsche und Volkswagen. "Unser Handeln hat sich bisher immer am gemeinsamen Interesse aller ausgerichtet und wird es auch in Zukunft tun." Sollten die Eigentümer einen Verkauf beschließen, würde sich die Belegschaft umgehend von den Familien distanzieren und mit ganzer Kraft um die Unabhängigkeit ringen .

Seitdem sind alle weiteren Verhandlungen zwischen Porsche und Volkswagen unterbrochen worden. Die Porsche-Beschäftigen haben durch ihren Streik vom 18. Mai 2009 deutlich aufgezeigt, dass sie sich vehement gegen eine mögliche Übernahme durch Volkswagen wehren. Doch am 20. Mai 2009 berichtete die Welt Online, dass sich die Vorstandchefs von Volkswagen und Porsche erneut treffen werden und die Eigentümer-Familien haben sich bereits zusammengesetzt, um den Machtkampf beizulegen.

Des Weiteren berichtet die Welt Online, dass Porsches Antrag auf Staatshilfe zunächst gescheitert ist, jedoch Gespräche mit mehreren Banken (u.a. KfW-Bank, LBBW und Bank of Tokyo Mitsubishi) über Kredite geführt werden. Außerdem ist der Sportwagenhersteller in „intensiven Gesprächen mit mehreren potenziellen Investoren“, wobei es sich wahrscheinlich um die Emirate Abu Dhabi und Katar handelt. Eine Unterstützung von Baden-Württemberg wird auch nicht ausgeschlossen, da der Landeschef Oettinger folgendes äußerte: „Wir werden alles tun, was uns rechtlich und wirtschaftlich möglich ist, um eine starke Entwicklung von Porsche in Baden-Württemberg zu erreichen.“

Nach Informationen der Stuttgarter Nachrichten geht es bei dem KfW-Kredit um eine Milliarde Euro und weitere 1,5 Milliarden sollen durch Unterstützung des Landes Baden-Württemberg zufließen.

Am 22.Mai 2009 wurde verkündet, dass Porsche wahrscheinlich einen Kredit über 750 Millionen Euro erhält. Aus vertrauten Kreisen, sei dies mit der Bank of Tokyo Mitsubishi vereinbart worden. Weiterhin bemüht sich Porsche am Kreditmarkt, das Ziel einer Finanzierung von insgesamt 12,5 Milliarden Euro zu erreichen. Davon sollen die zehn Milliarden Euro Verbindlichkeiten refinanzieren werden.

Das heißt die Bonität (Kreditwürdigkeit) von Porsche ist gewährleistet, wie auch in den Analysen von Muszalik erwiesen. Dementsprechend sind die Äußerungen bzw. Schlagzeilen der Pressedienste, wie „Porsche hat sich Finanziell überhoben“, „Arg verschuldet“ etc. wissenschaftlich nicht hinterfragt worden und somit nicht gerechtfertigt.
(siehe Quellen)

 

Weiterführende Links

Arbeit zu der Kapitalflussrechnung mit den Fondstypen am Beispiel der Porsche AG

Bilanzen und Erfolgsrechnungen von Porsche und anderen deutschen Autoherstellern

Kapitalflussrechungen zur Porsche AG und anderen zu downloaden

 

Quellen

Vgl. Brenner, Olaf / Huber, Stefanie (2009): FOKUS 1-Magazin – Porsche sucht Wege aus der Finanzklemme, in URL: http://uk.reuters.com/article/motoringAutoNews/idUKL263343220090502 (Stand: 15.05.2009)
Vgl.: Welt Online (2009): Porsche scheitert mit Antrag auf Staatshilfe; in URL: http://www.welt.de/wirtschaft/article3780226/Porsche-scheitert-mit-Antrag-auf-Staatshilfe.html (Stand: 22.05.2009)
Vgl.: Welt Online (2009): Porsche erhält offenbar weiteren Kredit, in URL: http://www.welt.de/wirtschaft/article3783953/Porsche-beantragt-Kredit-bei-staatlicher-KfW.html (Stand: 22.05.2009)
Vgl.: Deutscher Depeschendienst GmbH (2009): Porsche erhält offenbar weiteren Kredit, in URL: http://www.pr-inside.com/de/porsche-erh-auml-lt-offenbar-weiteren-kredit-r1271878.htm (Stand: 22.05.2009)
Vgl. Brenner, Olaf / Huber, Stefanie (2009): FOKUS 1-Magazin – Porsche sucht Wege aus der Finanzklemme, in URL: http://uk.reuters.com/article/motoringAutoNews/idUKL263343220090502 (Stand: 15.05.2009) sowie: BBV (2009): Piech: VW soll Porsche kaufen, in URL: http://www.bbv-net.de/public/article/wirtschaft/news/704021/Piech-VW-soll-Porsche-kaufen.html (Stand: 15.05.2009) und Kölner Stadt Anzeiger (2009): Porsche sucht Wege aus der Finanzklemme, in URL: http://www.ksta.de/html/artikel/1241185286647.shtml (Stand: 15.05.2009)
vienna.at (2009): Piech will offenbar Porsche AG an VW verkaufen, in URL: http://www.vienna.at/news/tp:vol:special_wirtschaft_aktuell/artikel/piech-will-offenbar-porsche-ag-an-vw-verkaufen/cn/apa-113904207 (Stand: 15.05.2009)
Vgl. Klix, Michael (2005): Geldanlage hohe Rendite Porsche beteiligt sich an VW mit 20%, in URL: http://www.yanyoo.de/index.php/dax/geldanlage-hohe-rendite-porsche-beteiligt-sich-an-vw-mit-20/ (Stand: 14.05.2009)
Vgl. Associated Press / Berliner Morgenpost (2006): Porsche stockt Anteil an VW kräftig auf, in URL: http://www.morgenpost.de/printarchiv/wirtschaft/article293951/Porsche_stockt_Anteil_an_VW_kraeftig_auf.html (Stand: 15.05.2009), Zahlen Daten Fakten lt. Geschäftsberichte der Porsche AG und den Studien von Muszalik, Chris
Vgl. Kuntz, Michael (2007): Porsche strebt Mehrheit bei VW an, in URL: http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/289/417055/text/ (Stand: 15.05.2009)
Wenzel, Frank-Thomas / Frankfurter Rundschau (200): VW und Porsche – keine traumhochzeit, in URL: http://www.fr-online.de/in_und_ausland/wirtschaft/aktuell/1746679_Fusion-der-Autobauer-VW-und-Porsche-keine-Traumhochzeit.html (Stand: 15.05.2009)

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