Ökonomisch nachhaltige Handlungsempfehlung zum Konflikt Porsche und Volkswagen
Angefangen aus einem friedlichen Schutz der Volkswagen AG, seitens Porsche,
entwickelte sich eine interne Krise zwischen Volkswagen und Porsche. Laut
Presseberichten wird von einer „Fusion zwischen Volkswagen und Porsche“
berichtet bis hin zu neusten Berichten „Porsche wird von Volkswagen gekauft“ und
gar das sämtliche „Gespräche unterbrochen wurden“.
Kurzfristig muss Porsche handeln, um seine Unabhängigkeit zu wahren. Zündholz
dieser Situation sind die hohen kurzfristigen Finanzverbindlichkeiten von
Porsche. Hinzu kommen die exogenen Faktoren, wie die Finanzwirtschaftskrise und
dem daraus resultierenden Absatzrückgang am Automarkt.
Das kurzfristige Fremdkapital wurde für Optionsgeschäfte aufgenommen, um den
Plan zu realisieren 75 Prozent der Volkswagen AG zu halten. Laut Wiedeking wird
von diesem Plan derzeit abgerückt.
Entsprechend darf es nicht zu einer weiteren Erhöhung der kurzfristigen
Finanzverbindlichkeiten kommen.
Fiktive Beispielsrechnung:
20 Mrd. Euro (kurzfristige Finanzverbindlichkeiten + übrige kurzfristige
Verbindlichkeiten) bei einen Zinssatz von 5% p.a. würden für ein Jahr 1 Mrd.
Euro an Zinsaufwendungen nach sich ziehen. Aus der Längsschnittanalyse ist ein
Ergebnis aus der operativen Geschäftstätigkeit von 1 Mrd. Euro zu
erwarten/realisierbar, das gleiche ist auch bei den Kapitalflussrechungen
ersichtlich. Summa summarum würden keine Tilgungen getätigt werden und nur die
Zinslasten abgearbeitet.
Selbst bei einer möglichen Umschuldung/Umfinanzierung von zu langfristigen
Finanzverbindlichkeiten zu anderen Konditionen, zum Beispiel einem Zinssatz von
2 Prozent p.a. würden 400 Mio. Euro Zinsaufwendungen fällig werden und es
könnten 600 Mio. Euro für die Tilgungen gezahlt werden. Diese würde jedoch zu
einer Amortisationszeit von über 30 Jahren führen.
Somit ist eine Umschuldung/Umfinanzierung keine opportune Möglichkeit für das
Finanzproblem.
Auch ein Zahlungsaufschub (Sondertilgungen) würde nur eine Überbrückung
darstellen und die kurzfristigen Finanzverbindlichkeiten würden weiterhin
bestehen und sich nicht reduzieren.
Zur Reduzierung der kurzfristigen Finanzverbindlichkeiten können einige
Aktienpakete veräußert werden, um somit auch den Verschuldungsgrad (28,29
Prozent aus kurzfristigen Finanzverbindlichkeiten im Verhältnis zum
Gesamtkapital) zu verringern und eventuelle Liquiditätsprobleme zu vermeiden.
Dies setzt aber voraus, das bei den Verkäufen einiger Aktienpakete mit
„überschaubaren“ Verlusten zu rechnen ist.
Eine Kapitalerhöhung könnte nur erfolgen, sofern die Stammaktionäre dem
zustimmen, erst dann könnten auch seitens der Vorzugsaktionäre neue Aktien
gezeichnet werden. Jedoch sind die Eigentümerfamilien Porsche und Piëch derzeit
nicht bereit, frisches Geld zu investieren.
Eine andere Möglichkeit, die schon in den Medien berichtet wurde, ist die
Akquise neuer ausländischer Investoren, wie z.B. Scheichs aus Katar.
Eine weitere Möglichkeit liegt darin, die Aktienpakete einer treuhänderischen
Inhaberschaft zu übertragen (veräußern). Dadurch, dass es zu keinem direkten
Verkauf aus dem Paket kommt, würden die Aktienkurse weitestgehend stabil bleiben
und große Schwankungen und somit gegebenenfalls Verluste minimiert werden. Bei
einer solchen fiduziarischen Sicherheit sind die sind Vertraglich die Fristen zu
setzen, wann der „übertragene Gegenstand“ herausgegeben werden muss bzw. was bei
Säumnis geschieht.
Sicher existieren noch viele weitere Möglichkeiten, die kurzfristigen
Finanzverbindlichkeiten von Porsche zu reduzieren oder ähnliches. Jedoch sollten
auch weitere essentielle Faktoren berücksichtigt werden, die die zukünftig
Unabhängigkeit von Porsche wahren. Dazu sollte eine Projekt-Scorecard entwickelt
werden, die hier Independence Future Scorecard (IFS) genannt werden soll.
Die Vision, Mission bzw. Strategie lautet entsprechend die „langfristige
Unabhängigkeit von Porsche zu wahren und den Konzern auszubauen“.
In der Finanzperspektive ist zur Zeit die primäre Kennzahl, die kurzfristigen
Finanzverbindlichkeiten zu reduzieren bzw. durch andere beschreibende
Möglichkeiten sicherzustellen. Erst danach sind weitere monetäre Kennzahlen
festzulegen, die an die Strategie aufbauen.
Neben der ökonomischen Nachhaltigkeit (Finanzperspektive) müssen auch die
ökologische und soziale Nachhaltigkeit in Betracht gezogen werden. Die
Kundenperspektive (soziale Nachhaltigkeit) soll hier nicht nur die Kunden
beinhalten, sondern sämtliche Stakeholder, insbesondere Mitarbeiter. Der Streik
der Porsche-Beschäftigten am 18. Mai 2009 hat es deutlich aufgezeigt, dass sie
aufrichtig zu ihrem Arbeitgeber stehen, und wehren sich vehement gegen eine
mögliche Übernahme durch Volkswagen. Das soziale Engagement ist wichtig für die
Außenwirksamkeit und fördert zudem das Image und den Bekanntheitsgrad als
„bester bzw. beliebtester Arbeitgeber“
Die ökologische Nachhaltigkeit betrifft sowohl die interne Prozessperspektive
als auch die Lern- und Entwicklungsperspektive. Dabei geht es nicht nur darum,
die Porsche Motoren leistungsstärker zu machen, sondern auch den Verbrauch und
den CO2-Ausstoß zu verringern. Alternativen sind auch Hybridmotoren, die das
Merkmal „Sportlichkeit“ nicht beeinträchtigen. Aber auch andere Projekte sollten
initiiert werden, um der ökologischen Nachhaltigkeit gerecht zu werden und damit
auch nachkommenden Generationen eine natürliche Lebensweise garantieren zu
können.
Weiterführende Links
Arbeit zu der Kapitalflussrechnung mit den Fondstypen am Beispiel
der Porsche AG
Bilanzen und Erfolgsrechnungen von Porsche und anderen deutschen
Autoherstellern
Kapitalflussrechungen zur Porsche AG und anderen zu downloaden
vollständige Arbeit