1. Einleitung
Jahresabschlussanalyse
1.1. Problemstellung
Die Aufgabe dieser Vorleistung
besteht darin, eine Jahresabschlussanalyse am Beispiel des
Volkswagen Konzerns durchzuführen.
(oben)
1.2. Zielsetzung und Struktur
Die finanzwirtschaftliche Analyse
hat in erster Linie die Aufgabe das finanzwirtschaftliche Auftreten
eines Unternehmens zu untersuchen. Der außenstehende Analytiker kann
mehrere Möglichkeiten nutzen, um an Informationen über ein
Unternehmen zu kommen. Das können zum Beispiel Bilanzen,
Geschäftsberichte, Firmenmitteilungen und –zeitschriften,
Wirtschaftspresse und Statistiken sein. Die zentrale Bedeutung kommt
bei der finanzwirtschaftlichen Analyse den Bilanzen mit den eine
Jahresabschlussbilanz ergänzenden Teilen zu. Die Ergänzung
beinhaltet die Gewinn- und Verlustrechnung, Anhang und ggf. der
Lagebericht.
Die Jahresabschlussanalyse kann
auf einen Objekt- und Zeitvergleich beruhen. Beim Objekt- bzw.
Branchenvergleich wird das untersuchte Unternehmen mit einem ähnlich
strukturierten Unternehmen verglichen. Im Gegensatz dazu wird das
Unternehmen beim Zeitvergleich über mehrere Perioden hinweg
analysiert. (vgl. Olfert, 2003, S. 341) Jeder, der sich mit der
Jahresabschlussanalyse befasst, führt die Untersuchung unter einem
anderen Gesichtspunkt durch. Zum Beispiel verfolgt ein Analytiker
einer Bank andere Ziele als ein Unternehmer oder ein Anleger, der
auf der Suche nach einem Investitionsobjekt ist. Dennoch haben alle
eine Gemeinsamkeit. Sie interessieren sich für die aktuelle und
zukünftige Ertragslage, die finanzielle Stabilität und das
Vorhandensein von Wachstumspotential. Die Analyse verfolgt darüber
hinaus noch weitere Ziele. Das sind unter anderem die
Urteilsbildung, Entscheidungs- und Wahrheitsfindung sowie das
verstärkte Sammeln von Informationen. (vgl. Benzel, Seite 128) Die
Urteilsbildung bedeutet, dass der Jahresabschluss als finanzielles
Ergebnis dazu dient, unternehmerische, in einer Periode getroffene
Entscheidungen wertend zu beurteilen. Dabei analysiert man die
Qualität 1. der Entscheidungsträger, 2. einzelner Entscheidungen, 3.
einzelner Entscheidungsfelder und 4. des ganzen Unternehmens.
Beispielsweise stehen im Rahmen einer Kreditwürdigkeitsprüfung die
Beurteilungen finanzwirtschaftlicher und rentabilitätsbezogener Art
im Vordergrund.
Erkenntnisse aus der
finanzwirtschaftlichen Analyse finden Verwendung bei der Lenkung und
Beeinflussung künftiger Entscheidungsprozesse. Die
Entscheidungsfindung betrifft die Entscheidungsträger, den
Entscheidungsprozess und die Entscheidungsfelder. Den
Entscheidungsträgern sind die Ergebnisse aus der Analyse
hinsichtlich der Alternativenbildung und –bewertung sowie bei der
Entscheidungsdurchsetzung nützlich. Den Entscheidungsprozess können
diese Resultate positiv unterstützen. Aufgrund der Analyseergebnisse
ist es möglich Entscheidungsfelder zu gestalten. Sie dienen zur
Orientierung, wie sich die Entscheidungen auf den Jahresabschluss
auswirken werden. Ein Jahresabschluss ist richtig, wenn dieser den
handels- und steuerrechtlichen Vorschriften entspricht. Im Sinne der
betrieblichen Wirklichkeit ist er damit aber keineswegs wahr. Durch
die finanzwirtschaftliche Analyse wird versucht, realitätsbezogene
Daten, um damit „die Wahrheit“ zu ermitteln bzw. zu finden. Dazu
zählt beispielsweise das wahre Periodenergebnis. In diesem Fall
werden Scheingewinne vom ausgewiesenen Periodenergebnis abgezogen.
Zu realitätsbezogenen Daten gehören auch tatsächlich vorhandene
Vermögenswerte, die sich aus den stillen Reserven und den
ausgewiesenen Vermögenswerten zusammensetzen. Durch die
Informationsverdichtung sollen Tatsachen und Zusammenhänge, die der
Jahresabschluss nicht direkt aufzeigt, kenntlich gemacht werden.
Dazu dienen insbesondere die Kennzahlen. (vgl. Olfert, 2003, S. 341,
342)
(oben)
1.3. Vorgehensweise
Wie im Abschnitt 1.2 erwähnt,
stellen Kennzahlen verdichtete Informationen dar. Mit ihnen können
betriebswirtschaftliche Zusammenhänge klar aufgezeigt werden. Durch
die Bildung von Kennzahlen wird die Auswertung der gesammelten
Informationen und der im Jahresabschluss zusammengestellten Daten
erleichtert. Sie fassen somit messbare betriebliche Tatbestände
zusammen. Zum Beispiel haben die Kennzahlen folgende Bedeutungen:
• Erhöhung der Transparenz im
Unternehmen
• Verdichtung von Sachverhalten auf eine aussagefähige Zahl
• Sichtbar machen bestimmter Sachverhalte, z.B.
Gesamtkapital-Rentabilität
• Erleichterung der Beurteilung der wirtschaftlichen Lage des
Unternehmens
• Aufdeckung der Stärken und Schwächen
• Erleichterung der Interpretation von Tatbeständen
• Möglichkeit des Vergleiches mit Unternehmen der gleichen Branche
Wichtig ist vor allen Dingen die
richtige Interpretation der Kennzahlen. Sie dürfen nicht isoliert
betrachtet werden. Es gibt verschiedene Arten von Kennzahlen. Dazu
gehören absolute Kennzahlen, Verhältniszahlen und Richtzahlen. Bei
absoluten Kennzahlen handelt es sich um Einzelzahlen, Summen,
Differenzen oder Mittelwerte. Sie können direkt aus der Bilanz oder
aus der GuV entnommen werden. Ihre Bedeutung wird erst sichtbar,
wenn man sie mit anderen Zahlen vergleicht. Setzt man die absoluten
Zahlen in Beziehung zu einander, werden die Verhältniszahlen
ermittelt. Wenn die Zahlen des analysierten Unternehmen zu
branchenspezifischen Durchschnittszahlen in Beziehung gesetzt
werden, spricht man von Richtzahlen. (vgl. Vollmuth, 2002, S.36-40)
(oben)
2. Vermögesstruktur
„Grundsätzlich sind vier Analysepunkte für die
Bilanzstrukturanalyse denkbar, nämlich Vermögens- und Kapitalstruktur (vertikale
Kennzahlen) sowie Anlagedeckung und Liquidität (horizontale Kennzahlen).“ (Rollwage;
1999; S. 52)

(oben)
2.1.
Vermögensintensität
Die folgenden Kennzahlen dienen als
Prüfkriterium, ob sich die Zusammensetzung des Vermögens eines Unternehmens im
Bereich des Branchenüblichen bewegen oder nicht.
(oben)
2.1.1. Anlagenintensität I
Die Anlagenintensität I
zeigt das Verhältnis von Anlagevermögen und
Gesamtvermögen auf.

Die Anlagenintensität gibt
Aufschluss über die Wirtschaftlichkeit des Einsatzes der Anlagegüter in einem
Unternehmen. Das bedeutet, dass eine hohe Anlagenintensität I einen hohen
Eigenkapitalanteil verlangt bzw. einen hohen Anteil des langfristigen
Fremdkapitals am Gesamtkapital. Also je höher die Anlagenintensität I ist, desto
geringer ist die Liquidität und umso geringer ist die Bildung von „totem
Kapital“ im Umlaufvermögen und desto solider ist die Finanzierung des
Unternehmens. Diese Kennzahl gibt darüber Aufschluss, wie sich das betrachtete
Unternehmen an Rezession und Expansion anpasst. Es erfolgt eine bessere
Beurteilung des damit verbundenen Unternehmerrisikos. Das Risiko steigt mit
wachsender Anlagenintensität I und damit sinkt die Flexibilität der
Unternehmung. (vgl. o.V. 1; 2005; www.controllingportal.de)
(oben)
2.1.2.
Anlagenintensität
II
Die Kennzahl der Anlagenintensität II
wird in der Literatur auch als Umlauf- oder
Arbeitsintensität bezeichnet. Sie zeigt das Verhältnis von Umlaufvermögen und
Gesamtvermögen auf und damit der Wirtschaftlichkeit des Unternehmens.

Je höher die Arbeitsintensität ist, desto höher
ist auch die Wirtschaftlichkeit der Unternehmung, denn es erfolgt eine intensive
Nutzung der Kapazitäten, je kleiner der Anteil des Anlagevermögens am
Gesamtvermögen ist. Damit sinken die fixen Stückkosten, die Umsatzerlöse steigen
und die Ertragslage verbessert sich. (vgl. o.V. 2; 2005;
http://www.controllingportal.de)
(oben)
2.1.3.
Vorratsintensität
Die Vorratsintensität
wird in Literaturwerken auch als Lagerintensität oder Grad der Lagerhaltung
bezeichnet. Hierbei werden die Vorräte ins Verhältnis zum Gesamtvermögen
gesetzt.

Die Lagerintensität gibt Aufschluss über die
Kapitalbindung in den Vorräten an Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen, sowie an
Halb- und Fertigfabrikaten. Hierbei können Veränderungen im Zeitvergleich
erkannt werden. Steigt der Grad der Lagerhaltung, so wird zunehmend Kapital
gebunden und die Liquidität sinkt. (vgl. o.V. 3; 2005;
www.ulh-inmediasres.de)
Die Erhöhung der Vorratsintensität kann
verschiedene Ursachen haben, möglich sind zum einen das große Mengen, aufgrund
von günstigen Einkaufsbedingungen, an beispielsweise Rohstoffen gekauft wurden
und nun auf Lager liegen. Zum anderen könnte aber auch eine mangelhafte
Lagerorganisation und Lagerbuchhaltung der Grund für die Erhöhung der
Lagerintensität sein, oder sie kann auch auf Absatzprobleme hinweisen (sofern
keine Änderungen der Vorratspolitik im Unternehmen vorliegen). (vgl. o.V. 4;
2005; www.controllingportal.de)
(oben)
2.1.4. Forderungsintensität
Die Forderungsintensität
stellt das Verhältnis der Forderungen zum Gesamtvermögen einer Unternehmung
dar. Steigen die Forderungen an, so sinkt die Liquidität.

(oben)
2.2
Umsatzrelationen
Die umsatzbezogene Investitionsanalyse
untersucht die Beziehung zwischen den Vermögensteilen eines Unternehmens und
dessen Umsatzerlöse. Damit erhält man Informationen über die geschäftliche
Entwicklung.
(vgl.
Olfert, 2003, S. 352)
(oben)
2.2.1.
Umschlagshäufigkeit der Vorräte
Vorräte gehören zum Umlaufvermögen, da sie
dem Unternehmen nicht auf Dauer dienen. Je schneller sich die Vorräte
umschlagen, desto höher ist die Liquidierbarkeit der Vermögensgegenstände und um
so geringer die Kapitalbindung.
Durch Veränderung der Kennzahl kann die Umschlagshäufigkeit in Tagen als
Umschlagsdauer angegeben werden. Die Aussagefähigkeit ändert sich dadurch nicht.
(vgl. Hüttche / von Brandis, 2003, S. 383-384)
Das
Unternehmen ist umso effizienter, je höher der Lagerumschlag ist. Darum ist
eine möglichst hohe Umschlagshäufigkeit erstrebenswert. (vgl. Temple, 2002, S.
105)

(oben)
2.2.2.
Umschlagshäufigkeit der Lieferforderungen
Die Umschlagshäufigkeit der Forderungen aus Lieferungen und Leistungen wird auch
Debitorenumschlag genannt.

Diese Kennzahl sagt aus, dass die
Kapitalbindung in den Forderungen zunimmt, wenn die Zahlen der
Umschlagshäufigkeit der Forderungen aus Lieferungen und Leistungen
abnehmen. Tritt diese Entwicklung ein, ist sie als negativ zu
bewerten. (vgl. Vollmuth, 2002, S. 191)
Abgesehen von dem Debitorenumschlag gibt es
auch den Kreditorenumschlag – die Umschlaghäufigkeit der Verbindlichkeiten aus
Lieferungen und Leistungen.

Der
Kreditorenumschlag gibt Auskunft über das Zahlungsverhalten des
eigenen Unternehmens und ist infolgedessen besonders wichtig. (vgl.
o.V. 5; 2005; www.controllingportal de)
(oben)
2.3.
Investitions- und
Abschreibungspolitik
Im Rahmen der Investitionsanalyse soll das
Verhalten eines Unternehmens als Investor beurteilt werden. Die Kennzahlen
drücken die Änderungen der Investitionstätigkeit über einen Zeitabschnitt aus.
Außerdem zeigen sie das Unternehmenswachstum und dessen Finanzierung. (vgl.
Olfert, Reichel, 2003, S. 32)
(oben)
2.3.1.
Investitionsquote
Die Investitionsquote
gibt Aufschluss über die Investitionsneigung des Unternehmens. Um Hinweise auf
Veränderungen der Investitionstätigkeit zu erhalten, wird die Investitionsquote
eines Unternehmens in einem Zeitablauf verglichen.

Je
größer die Investitionsneigung ist, um so höher fällt die
Investitionsquote aus. (vgl. Olfert, 2003, S. 352)
(oben)
2.3.2.
Investitionsdeckung
Die Investitionsdeckung
zeigt das tatsächliche Wachstum eines
Unternehmens auf. Aus ihr wird der Umfang der Anlagenzugänge, die aus
Abschreibungen finanziert werden, ersichtlich.

Die Abschreibungen wurden nicht voll reinvestiert,
wenn die Investitionsdeckung über 100 % liegt. Ist sie kleiner als 100 %, liegt
die Reinvestitionsquote über den Abschreibungen. (vgl. Olfert, 2003, S. 352)
(oben)
2.3.3. Abschreibungsintensität
Diese Kennzahl zeigt den Anteil der
Abschreibungen auf das Sachanlagevermögen an der Gesamtleistung.

Die Abschreibungsintensität
ist
abhängig von der Anlagenintensität, vor allem von der Investitionstätigkeit und
der Sachanlagenintensität eines Unternehmens. In der Regel fällt die
Abschreibungsintensität um so höher aus, je höher die Sachanlagenintensität
eines Unternehmens ist. Zusammen mit der Personalintensität liefert die
Abschreibungsintensität wichtige Hinweise auf den Rationalisierungsgrad eines
Unternehmens. Hohe Abschreibungsintensität und geringe Personalintensität sind
Ausdruck für einen hohen Rationalisierungsgrad. (vgl. o.V.
6; 2005;
www.angerer.at)
(oben)
2.3.4.
Abschreibungsquote pro Periode
Die Abschreibungsquote pro Periode wird durch
das Verhältnis zwischen Jahresabschreibungen auf Sachanlagevermögen und
Sachanlagevermögen zu Anschaffungs- oder Herstellungskosten beschrieben.

Die Kennzahl lässt Rückschlüsse auf die
Nutzungsdauer beim Sachanlagevermögen, insbesondere bei den technischen Anlagen
und Maschinen, zu. Aus diesem Grund ist die Abschreibungsmethode sehr wichtig.
Ergibt sich aus der Abschreibung eine hohe Quote, lässt sich ein großer Re-
Investitionsbedarf vermuten, oder andererseits, dass stille Reserven gelegt
wurden. (vgl. Endriss / Hennies / Kluge / Löschke / Sauter,1994 S. 384) .
(oben)
2.3.5.
Personalintensität
Die Personalintensität
ist ein Maßstab für die Wirtschaftlichkeit
des Faktors Arbeit.

In einem Zeitablauf kann mit ihrer Hilfe die
Entwicklung der Wirtschaftlichkeit des Personaleinsatzes überprüft werden.
(vgl. Olfert, 2003, S. 362 f.)
(oben)
3.4. Sonstige
Kennzahlen
Als sonstige Kennzahlen sollen an dieser
Stelle das Kundenziel und die Umschlagsdauer der Vorräte dienen.
(oben)
3.4.1.
Kundenziel (Debitorenlaufzeit)
Das Kundenziel soll in der
Jahresabschlussanalyse Aufschluss über das durchschnittliche Zahlungsverhalten
der Kunden liefern, sowie darüber, wie viel Zeit vergeht, bis die Umsatzerlöse
in liquide Mittel umgewandelt werden. Diese Kennzahl sollte möglichst gering
gehalten werden. Allerdings sollte man zum Vergleich Branchenkennzahlen
heranziehen, um die eigene Situation zu beurteilen. (vgl. o.V. 7; 2005;
www.controllingportal.de)


Ein erhöhtes Kundenziel bedeutet für ein
Unternehmen, das häufig Qualitätsprobleme bestehen, die zu einer verzögerten
Abnahme der Waren und/oder zur verzögerten Begleichung der Forderungen von
Kundenseite führt. Ein gesunkenes Kundenziel könnte auf eine schlechte
wirtschaftliche Lage der wichtigen Kunden hinweisen. Denkbar wäre aber auch
hier, dass das Unternehmen, um die Auftragslage zu verbessern
Kundenzugeständnisse macht. (vgl. Coenenberg; 2000; S. 912)
(oben)
3.4.2.
Umschlagsdauer der Vorräte (Lagerdauer)
Die Vorräte eines Unternehmens werden
als Bestandteil des Umlaufvermögens, dem kurzfristig gebundenen Vermögen,
zugerechnet. Die folgende Kennziffer soll
Informationen über die Bindungsdauer, des im Vorratsvermögen investierten
Kapitals liefern, also wie viele Tage die Vorräte im Durchschnitt im Unternehmen
verbleiben, bis sie verbraucht werden. (vgl.Küting,Weber;1997;S. 97)

Die Kennzahl zeigt auf, wie lange die Vorräte
und das dafür benötigte Kapital im Durchschnitt gebunden sind. Eine Reduzierung
der Lagerdauer führt zu einer niedrigeren Kapitalbindung und damit verbunden zu
einer Steigerung der Wirtschaftlichkeit.
Zur Berechnung der
Umschlagsdauer der Vorräte ist die Umschlagshäufigkeit der Vorräte notwendig.
Die Formel hierfür lautet allgemein:

Im Speziellen lautet sie wie folgt:

Die Kennzahl zeigt auf, wie die Beziehung
zwischen Materialverbrauch und Lagerbestand ist. Sinkt die Kennzahl, nehmen
Lagerhaltung und damit die Kapitalbindung zu (neg. Bedeutung).
Die Herstellkosten des Umsatzes
werden von externen Analytikern aus der GuV entnommen, wenn das
Gesamtkostenverfahren zur Anwendung kommt. (vgl. o.V. 8+9; 2005;
www.controllingportal.de)

(oben)
3. Kapitalsstruktur und
Liquiditätsanalyse
Zur Beurteilung von Finanzstabilität und –risiken
gehört auch, unabhängig der Ermittlung eines bereinigten Eigenkapitals, eine
Betrachtung von Kapitalstruktur und –rückflusszeiten, soweit dies aus dem
Kapitalbild der bilanzierten Buchwerte abzuleiten ist.
„Die Kennzahlen zur
Kapitalstruktur bieten
Aussagen über Rechtsnatur, Fristigkeiten und Abhängigkeiten in der
Kapitalbeschaffung, über die Aufwands- und Rentabilitätswirkung der Kapitalseite
sowie über die finanzielle Elastizität des Unternehmens bei erforderlichen
Kapitalanpassungen.“ Es stellt sich die Frage nach dem optimalen
Eigenkapitalanteil am Gesamtkapital. (vgl. Lachnit; 2004; S. 280)
(oben)
3.1. Eigenkapitalquote
Die Eigenkapitalquote
misst den Anteil des Eigenkapitals am Gesamtkapital.

Ein hoher Eigenkapitalanteil schützt vor
Unternehmenszusammenbrüchen in Folge von Überschuldung, mindert das Risiko für
die Gläubiger, stellt die Kreditwürdigkeit sicher und reduziert die Gefahr
kurzfristiger Liquiditätsengpässe.
Nachteil der Finanzierung mit Eigenkapital
ist die hohe steuerliche Belastung und die Risikoprämie an die Aktionäre in Form
einer Dividende. Im Vergleich dazu, bei der Fremdfinanzierung sind Zinszahlungen
als Aufwendungen anzusehen und folglich wirken sie steuermindern.
Damit stellt sich die Frage nach einer
angemessenen Kapitalstruktur, also nach dem günstigsten Verhältnis zwischen
Eigen- und Fremdkapital. Diese Frage lässt sich nur unter spezieller Beachtung
der Risiken des Unternehmens, den Gepflogenheiten der Brache und der
Unternehmensstruktur beurteilen. Als Faustregel gilt, dass das Verhältnis von
Fremdkapital zum Fremdkapital 2 : 1 sein sollte. (vgl. Gräfer; 2005; S. 119)
Auf der folgenden Abbildung sehen Sie die
Eigenkapitalausstattung des europäischen Mittelstandes im Verhältnis zur
Bilanzsumme.

„Gemeinhin wird eine
Eigenkapitaldecke von mehr als 30 Prozent im Verhältnis zur
Bilanzsumme als stabil erachtet, auch wenn die Vergleichbarkeit der
Eigenkapitalquoten verschiedener Länder nur bedingt gegeben ist.
Spanische und britische KMU sind verhältnismäßig gut mit
Eigenkapital ausgestattet, Deutschland liegt mit durchschnittlich
7,5 Prozent haftendem Eigenkapital am Ende der Tabelle, was mit dem
hohen Insolvenzaufkommen korrespondiert.“ (Creditreform; 2004/05; S.
11)
(oben)
3.2. Rücklagenquote
Rücklagen sind zusätzliches Eigenkapital, das
dem Unternehmen zur Verfügung steht. Die Rücklagenquote
gibt den prozentualen Anteil der gesamten Rücklagen am Eigenkapital an.
(oben)
3.3.
Selbstfinanzierungsgrad
Der Selbstfinanzierungsgrad
zeigt, in welchem Umfang die Rücklagen des Gewinns zur Entstehung des
Gesamtkapitals beigetragen haben. (vgl. Kresse, 1994, S. 186)
(oben)
3.4. Fremdkapitalquote
Die Kennzahl dient zur Beurteilung des
Kapitalrisikos und setzt sich wie folgt zusammen:

Die Fremdkapitalquote
ist ein Maß für finanzielle Solidarität. Je höher die Fremdkapitalquote ist,
desto geringer ist die Kreditwürdigkeit, desto größer ist die Konkursgefährdung
und desto schwieriger wird es für das Unternehmen neue Kredite für Anschaffungen
und ähnliches aufzunehmen. Die Fremdkapitalquote sollte dabei immer kleiner als
50% sein. (vgl. o.V. 10; 2005; http://anleger-lexikon.de)
(oben)
3.5. kurzfristige Verschuldungsquote
Die kurzfristige Verschuldungsquote
ist der prozentuale Anteil des kurzfristigen
Fremdkapitals an der Bilanzsumme.
(vgl. Zdrowomyslaw, Kuba, 2002, S. 412)

(oben)
3.6.
Statischer Verschuldungsgrad
Diese Kennzahl wird in der Literatur auch
häufig als Verschuldungskoeffizient oder Kapitalanspannung bezeichnet und
untersucht das Verhältnis von Fremdkapital und Eigenkapital:
Der Verschuldungsgrad
gibt Auskunft über die Kreditwürdigkeit eines
Unternehmens. In den Literaturen wird oft der Unterschied zwischen dynamischem
und statischem Verschuldungsgrad gemacht- allerdings soll hier nur der statische
betrachtet werden.
Früher wurde als vertikale
Finanzierungsregel im Rahmen der Bilanzanalyse ein Verschuldungsgrad kleiner
gleich eins gefordert (1:1- Regel). In der heutigen Zeit ist selbst ein
Verschuldungskoeffizient von kleiner gleich zwei annehmbar. Allerdings sollte
dabei immer beachtet werden, dass mit dem Ansteigen der Kennzahl auch die
Abhängigkeit von den Kapitalgebern und damit das Risiko der Überschuldung größer
wird. So ist es, dass mögliche Kreditgeber bei
einem zu hohen Kennzahlenwert die weitere Kreditvergabe verweigern, bzw. die
Zinsen für solche Kredite anwachsen lassen.
Leider ist in der Praxis kein genauer Wert,
wie hoch die Verschuldung sein kann, bekannt. Daher ist ein Branchenvergleich
notwendig, denn nur so kann eine genaue Aussage getroffen werden. (vgl. Prohaska;
2005;www.phil.uni-erlangen.de)
(oben)
3.7.
Bilanzkurs
Der
Bilanzkurs ist
eine betriebswirtschaftliche Kennzahl. Sie legt das Verhältnis von Rücklagen bzw.
Reserven einer Aktiengesellschaft zum gezeichneten Kapital offen. Durch den
Bilanzkurs wird der innere Wert einer Aktie mittels der Vermögenssubstanz
ausgedrückt.


(oben)
3.8. Intensität des
langfristigen Kapitals
Ein weiteres Beispiel für eine Kapitalquote
ist die Intensität des langfristigen Kapitals.
Ebenso wie die Eigen- und Fremdkapitalquote
gibt auch diese Kennzahl Auskunft darüber, mit welchem Anteil ein Unternehmen in
Hinsicht auf die Herkunft und die Fristigkeit mit verschiedenen Kapitalarten
ausgestattet ist.

Als Teil der Kapitalstruktur sollte das
Eigenkapital absolut und relativ so hoch wie möglich sein, da Investitionen
möglichst mit Eigenkapital finanziert werden sollten.
Langfristiges Fremdkapital sind alle
Verbindlichkeiten, die eine Restlaufzeit von mehr als einem Jahr haben. Dazu
zählen Hypotheken, Grund- und Rentenschulden, andere langfristige Darlehen und
Pensionsrückstellungen. (vgl. Endriss / Hennies / Kluge / Löschke / Sauter,1994
S. 379, 385)
(oben)
3.9. Struktur des Fremdkapitals
Die Fremdkapitalstruktur
gibt Aufschluss über die Anteile des
kurzfristigen, mittelfristigen und langfristigen Fremdkapitals am gesamten
Fremdkapital.

Je größer das kurzfristige Fremdkapital, umso
ungünstiger ist die Situation eines Unternehmens, da die Unternehmung dann
besonders von Kreditgebern abhängig ist. Die Tilgung des kurzfristigen
Fremdkapitals führt somit zu einer Belastung der Liquidität. Das zu tilgende
Fremdkapital muss außerdem oft durch neues ersetzt werden.
Kurzfristige Schulden sind aber nicht immer negativ zu bewerten. Es ist häufig
sogar sinnvoll, auf kurzfristiges Fremdkapital in bestimmter Höhe
zurückzugreifen, weil der Betrag der im Umsatz- und Geschäftsprozess benötigten
Mittel erfahrungsgemäß wechselt. (vgl. Endriss / Hennies / Kluge / Löschke /
Sauter,1994 S. 385)
(oben)
3.10. Lieferantenziel
(Kreidtorenlaufzeit)
Das Lieferantenzie
gibt an, in wie viel Tagen ein Unternehmen seine Lieferverbindlichkeiten
begleichen kann. Der Zweck dieser Kennzahl liegt darin, Auskunft über die
Zahlungsgewohnheiten eines Unternehmens zu geben.
Lieferantenverbindlichkeiten können
schneller gezahlt werden, wenn das Lieferantenziel gering ist. Die schnelle
Begleichung macht es möglich, dass Skonti und günstigere Lieferbedingungen in
Anspruch genommen bzw. durchgesetzt werden können.
(vgl. Hüttche / von Brandis, 2003, S. 253)
(oben)
3.11.
Deckungsgrade
Langfristiges Vermögen sollte
mit langfristigem Kapital und kurzfristiges Vermögen mit kurzfristigem Kapital
finanziert werden. Damit sollen erreicht werden, dass bei langfristiger
Vermögensbindung kein Zinsänderungsrisiko besteht (d.h. die Finanzierung nur mit
einem höheren Zinssatz möglich ist) bzw. die Banken keine weitere
Kreditgewährung akzeptieren.
(vgl. Pepels; 2001; S.
468)



(oben)
3.12. Liquiditätsgrade
Das grundlegende Ziel eines Unternehmens ist
die Liquidität. Trotz guter Leistungseigenschaften, wie Personal, Management und
Technologie, ist die Zahlungsbereitschaft der Unternehmung unabdingbar und ohne
deren Aufrechterhaltung ist der Fortbestand des Unternehmens unmöglich. (vgl.
Coenenberg;2000;S. 874)
Liquiditätsgrade
sind Bilanzkennzahlen, die zur Analyse des kurzfristigen Gleichgewichts, wobei
den kurzfristigen Verbindlichkeiten leicht liquidierbare Vermögensgegenstände
gegenübergestellt werden. Je nach Umfang der einbezogenen Vermögensgegenstände
unterscheidet man drei Liquiditätsgrade. (vgl.
Maurer & Partner; 2005; www.pipsos.de)
(oben)
3.12.1.
Barliquidität
Die Barliquidität
ist als Liquidität I. Grades bekannt und beurteilt flüssige
Mittel im Verhältnis zum kurzfristigen Fremdkapital.

Diese Kennzahl sollte nicht mehr als 5% -10%
betragen, wobei die liquiden Mittel schnellstmöglich zur Begleichung der
kurzfristigen Verbindlichkeiten des Lieferers verwendet werden sollten. (vgl.
o.V. 12; 2005; www.controllingportal.de)
(oben)
3.12.2.
Liquidität auf kurze
Sicht
Die Liquidität II. Gradesbeurteilt die Summe aus Forderungen und liquiden Mitteln im
Verhältnis zum kurzfristigen Fremdkapital:

Diese Kennzahl sollte zwischen 100% und 120%
betragen. Liegt sie darunter hat das Unternehmen womöglich Probleme bei der
Wertschöpfung oder es hat sich bei verschiedenen Produkten verkalkuliert. Eine
mögliche Erklärung ist auch, dass zu viele Produkte auf Lager liegen, da sie
noch nicht verkauft wurden. (vgl. o.V. 13; 2005; www.controllingportal.de)
(oben)
3.12.3.
Liquidität auf
mittlere Sicht
Die Liquidität III.
Grades
beurteilt die Summe aus liquiden
Mitteln, kurzfristigen Forderungen,
Wertpapieren und Vorräten im Verhältnis zum kurzfristigen Fremdkapital:

Diese Kennzahl sollte mindestens 200% betragen.
Liegt sie darunter, kann es bei der Preisgestaltung
zu Schwierigkeiten kommen. Liegt die Kennzahl darüber, bedeutet das, dass zu
viele Produkte das Kapital binden- also noch zu viele Produkte auf Lager liegen. (vgl. o.V. 14;
2005; www.controllingportal.de)
(oben)
3.13.
Working capital
Das working capital
setzt sich wie folgt zusammen:

Es gibt 2 Möglichkeiten des
Ergebnisses.
Zum einen ist das Ergebnis negativ, dann
bedeutet das, dass ein Teil des Anlagevermögens finanziert werden muss, was das
Unternehmen wiederum in Liquiditätsprobleme bringt, weil es nicht zahlen kann.
Zum anderen kann die Kennzahl positiv sein,
was bedeutet, dass ein Teil des Umlaufvermögens mit Hilfe von langfristig zur
Verfügung stehendem Kapital finanziert wird.
Ergo: Je höher das Ergebnis ist,
desto gesicherter ist die Liquidität und damit auch die Aktivität des
Unternehmens.
(vgl. o.V. 15; 2005;
www.controllingportal.de)
(oben)
3.14
Cash
Flow
„Der Cash Flow
wird für Investitionsausgaben, zur
Schuldentilgung und zur Gewinnausschüttung verwendet; er ist also keine frei
verfügbare Größe.“
Man erwartet zwei Aussagen von dem Cashflow.
Erstens dient er zur Beurteilung der Liquidität, denn sie lässt besser
beurteilen als mit Liquiditätskennzahlen und als zweites wird der Cashflow gerne
zur Analyse der Ertragskraft benutzt, weil er solche Posten enthält die gerne
zur Gewinnmanipulierung verwendet werden (z.B. Abschreibungen oder
Rückstellungen).
Der Cashflow wird retrograd zum
Jahresabschluss ermittelt indem auszahlungsunwirksame Aufwendungen addiert und
einzahlungsunwirksame Erträge abgezogen werden. Es verbleibt die Differenz, also
der Cashflow.

Jedoch kann nicht eindeutig auf die Ertragskraft geschlossen werden,
denn der Cashflow enthält auch echte Aufwendungen wie z.B.
Abschreibungen. Es gibt keine sichere Einschätzung der Ertragskraft,
deshalb sollte
die Verfahren, zur Ermittlung der Ertragskraft nebeneinander
verwenden.
(vgl. Rollwage; 1999;
S. 57)
(