Das Assessment Center

    Inhaltsverzeichnis Das Assessment Center

     

    bei: Prof. Dr. Ralf Mertens

    von: Chris Muszalik


    1 Einleitung

    Das Assessment-Center (AC) ist ein Personalauswahlverfahren welches für das Unternehmen erhebliche Kosten und personellen Aufwand bedeutet und deshalb vorrangig von größeren Unternehmen durchgeführt wird. Größere Unternehmen haben einen kontinuierlichen Bedarf an Nachwuchskräften, was in Kleinen und Mittelständischen Unternehmen (KMU) selten der Fall ist. Aber auch kleine Unternehmen benutzen Elemente aus dem Assessment-Center, indem zusätzlich zum Bewerbungsgespräch ein Persönlichkeits- oder Leistungstest durchgeführt wird. Jedoch wird dies nicht als Assessment-Center bezeichnet. Dementsprechend ist das Assessment-Center als zusätzliches Auswahlinstrument zu benennen. Einzel-Assessment-Center werden bei der Auswahl von Fach und Führungskräften durchgeführt, hingegen im Nachwuchsbereich das Gruppen-Assessment-Center, wobei die Bewerber nicht nur in Team sondern auch gegeneinander antreten. Der Nutzen eines Assessment-Center ist das Vermeiden von Erfolglosigkeit in der Tätigkeit. Die Abbildung 1-1 zeigt das das Assessment-Center von allen Auswahlverfahren das am besten geeignete Verfahren ist.

     

    Personalauswahlverfahren nach Validitätswerten

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    2 Assessment Center

    Den richtigen Mitarbeiter zu finden bedeutet für ein Unternehmen einen großen Aufwand zu betreiben. Zuerst beginnt der Personalauswahlprozess damit die Bewerbungsunterlagen zu besichtigen. Jedoch geben diese Daten nur Auskunft über die Vergangenheit der Bewerber und die Lebensläufe junger Bewerber sind ebenfalls nicht sehr aussagekräftig, da ihnen die nötigen Erfahrungen noch fehlen. Es erfolgt eine Einladung zum Vorstellungsgespräch, welches im Maximalfal nur ein bis zwei Stunden dauert. Die Aussagen der Bewerber sind fiktiv und für das Unternehmen ist die berufliche Praxis der Bewerber nicht nachprüfbar. Um dieses Problem zu entgehen wenden Unternehmen das Assessment-Center an, denn dadurch erhält das Unternehmen wichtige Eindrücke über das praxisnahe Verhalten der Kandidaten, was das richtige Verhältnis zwischen Beobachtung und Bewertung ist. Das Anforderungsprofil des Unternehmens und das Qualifikationsprofil des Kandidaten sollten möglichst übereinstimmen (vgl. Brenner, 2000, S. 11 f.)

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    2.1 Historische Entwicklung

    Die Ursprünge des Assessment-Center-Verfahrens liegen in der Zeit der Weimarer Republik. B. Rieffert entwickelte in den 20er Jahren das Testverfahren zur Auswahl von Offiziersanwärtern. Dieses Verfahren wurde danach in gleicher Weise von der britischen Armee, dem amerikanischen Geheimdienst sowie teilweise in der amerikanischen Wirtschaft eingesetzt, wo sie zur Auswahl geeigneter Bewerber eingesetzt wird. Rieffert Methode bestand aus Untersuchungsverfahren, welche noch heute in Assessment-Center angewandt werden. Die britische Royal-Air-Force integrierte und entwickelte Rifferts Verfahren in den 40er Jahren an der Offiziersschule, wobei noch intensivere Prüfungen vorgenommen wurden. Der Begriff „Assessment-Center” wurde vom Psychologen Murray geprägt und tauchte erstmals 1942 auf, als Amerikaner dieses psychologische Auswahlverfahren zur Rekrutierung von Geheimdienstagenten ein- oder Führungslaufbahn ein setzten. Weiterhin kam das Assessment-Center-Verfahren hauptsächlich im militärischen Bereich zur Anwendung. Zur Beurteilung der einzelnen Kandidaten wurden vor allem individuelle und gruppenbezogene Arbeitsproben, Interviews, Intelligenz- sowie Persönlichkeitstests herangezogen. Mit der Langzeitstudie der American Telephone and Telegraph Company (AT&T), kam das Assessment-Center 1956 erstmalig im wirtschaftlichen Bereich zum Einsatz. Der Boom der Assessment-Center-Anwendung folgte erst in den 70er Jahren in den USA und schließlich übernahmen auch die Industriestaaten in Europa das Verfahren zur Personalauswahl und - entwicklung. Wichtigster Punkt für das Assessment-Center ist es Mitarbeiter zu identifizieren, in wie weit sie für weitergehende Aufgaben geeignet sind und ob die Nachwuchskraft eine Fach- schlägt. Zum heutigen Zeitpunkt setzen in Deutschland rund 180 Unternehmen bei der Personalauswahl auf Assessment-Center (vgl. Unister, 2005).

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    2.2 Einsatzbereich des Assessment Center

    Die Einsatzmöglichkeiten eines Assessment-Center lassen sich in drei Hauptanwendungsmöglichkeiten beschreiben:

     

  • Personalentwicklung und Potenzialsuche

    Dieser Bereich hat die größte Beutung, denn das Assessment-Center eignet zur Beurteilung von Führungspotential und zum anderen können weiter Fördermaßnahmen gezielt formuliert werden.

     

  • Bewerberauswahl

    In größeren Unternehmen kommt das Assessment-Center nicht nur für externe sondern auch für interne Bewerber zum Einsatz.

     

  • Erhöhung der Sozialkompetenz

    „Den Beobachtern wird die Möglichkeit geboten, qualifizierte Personalentscheidungen vorzubereiten und zu treffen“ (vgl. Unister, 2005). Die Kandidaten wiederum erhalten die Gelegenheit die eigene Stärken und Schwächen zu erfahren (vgl. ebd.).

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    2.3 Das Verfahren

    Da es für Unternehmen kein standardisiertes Assessment-Center gibt wird der Inhalt eines Assessment-Center speziell auf das Unternehmen und dem Anforderungsprofil des zu besetzenden Arbeitsplatzes konstruiert.

    In der Vielfalt der Übungen können die Gesichtspunkte beträchtlich variieren. Im Ablauf eines Assessment-Center gibt es drei Phasen, welche sich in einzelne Etappen aufzeichnen lassen (siehe Abbildung 2-1 ):

    drei Phasen im Assessment Center

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    2.4 Merkmale und Prinzipen

    In diesem Abschnitt werden fünf Merkmale und deren Prinzipien des Assessment-Center erläutert.

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    2.4.1 Anforderungsbezogenheit

    Die verschiedenen Übungen simulieren den späteren Arbeitsplatz mit seinen alltäglichen Tätigkeiten. Für die Besetzung bestimmter Positionen werden spezifische Anforderungen und Verhaltenitems definiert die für die Positionen charakteristisch sind. Die Übungen werden vor dem Hintergrund des Anforderungskataloges konstruiert und auf den bestimmten Arbeitsplatz zugeschnitten, um so das spätere Arbeitsverhalten des Kandidaten vorhersagen zu können.

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    2.4.2 Methodenvielfalt

    Darunter ist Verwendung verschiedener Verfahren, wie z. B. psychologische Tests, Beobachtungen, Gruppendiskussionen, Selbstvorstellung, Befragungen sowie Interviews zu verstehen. Durch diese Vielfalt ist das Assessment-Center sehr umfangreich, zeit-, Personal- und Kostenaufwendig, denn die Dauer beträgt ca. 2 – 4 Tage an denen die Kandidaten versorgt werden müssen und die Beobachter nicht Ihre alltäglichen Aufgaben ausüben können.

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    2.4.3 Verhaltensorientierung

    Das Verhalten der Teilnehmer kann in speziellen Situationen (ob Einzel- oder Gruppenprüfung oder durch Provokation) geprüft werden da die Verhaltensweisen genau beobachtet werden. So lässt sich herausfinden, ob eine erfolgreiche Aufgabenerfüllung gewährleistet ist.

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    2.4.4 Mehrfachbeurteilung

    Die Beobachter sollten hierarchisch übergeordnete Manager sein, welche speziell auf das Assessment-Center trainiert sind um eine objektive Einzelbeurteilung treffen zu können. Dabei sollte jeder Assessor während den Übungen maximal zwei Teilnehmer beobachten, wobei die Zuteilung zu den verschiedenen Übungen wechselt wodurch eine voreilige Beurteilung verhindert wird.

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    2.4.5 Transparenz

    Am Ende des Assessment-Center erhält jeder Teilnehmer eine Rückmeldung über das Ergebnis aus den Übungen, d. h. jeder Teilnehmer erhält einen Einblick in das Verfahren, wird über die Anforderungskreterin sowie den Aufgaben informiert (vgl. Mertens, 2005, Folie 19).

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    2.5 Zeitliche Rahmen

    Der zeitliche Rahmen eines Assessment-Center umfasst, je nach Unternehmen, einen halben Tag bis hin zu mehreren Tagen. Dabei wird das Verhalten untersucht, besonders wird auf Durchsetzungs- und Einfühlungsvermögen, Integrations-, Führungs- und Kommunikationsfähigkeit sowie Initiative geachtet. Dazu werden verschiedene Übungen durchgeführt (siehe dazu 2.6.). Durchschnittlich sind acht bis zwölf Übungen zu bestreiten (vgl. Hesse/Schrader, 1998, S. 332 ff.).

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    2.6 Prüfverfahren


    In einem Assessment-Center befindet sich eine Vielfalt von verschiedenen Prüf- und Testmöglichkeiten. Damit die gesamte Breite der Persönlichkeit erfasst werden kann, wird ein Instrumentenmix zur Anwendung empfohlen, um die Eigenschaften, Fähigkeiten und Einstellungen der Kandidaten zu erforschen. Dabei besteht die Möglichkeit die einzelnen Prüfinstrumente zu unterteilen in:

     

    Prüfungsinstrumente im Assessment Center

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    2.6.1 Situative Verfahren

    Beim Situativen Verfahren wird darauf geachtet das die Übungen realitäts- und praxisnah sind. Die Kandidaten werden in den Echtsituationen, wie sie beispielsweise im Arbeitsalltag zu finden sind, beobachtet. Dabei wird den Teilnehmern die Möglichkeit geboten seine Leistungsfähigkeit bei den (in 2.6.1.1 ff) Übungen, unter Beweis zu stellen.

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    2.6.1.1 Postkorb


    Die in einem Postkorb begutachteten Eigenschaften sind u. a. Entscheidungsfreude, Selbstmanagement, Organisationsgeschick, Führungsstil und Stressverhalten. Dabei soll eine Sammlung von einzelnen Aufgaben, die auf den Arbeitsplatz zugeschnitten sind, bearbeitet werden. Ein solcher Postkorb könnte folgendermaßen aufgebaut sein:

    „Vertreten Sie Ihren Chef am neuen Arbeitsplatz – plötzlich und unerwartet. Erledigen Sie die angehäufte Post, beantworten Sie Telefonanrufe und setzen Sie sich mit den Anforderungen Ihrer Mitarbeiter auseinander.“

    Dabei werden Vorfälle, die Entscheidungen fordern, mit Störungen wie Anrufen, überraschenden Bewerbern und entsetzlichen Pressemitteilungen in Einklang gebracht. Außerdem müssen auch private Geschehnisse in den Zeitplan integriert werden. Im nachfolgenden Interview sind die getroffenen Entscheidungen zu begründen. Alles was nicht wichtig und dringlich ist, muss abdelegiert werden. Dazu gibt der Ziegenhirte PEPE (Priorität vor Eiligkeit, Eiligkeit vor Perfektion, Perfektion vor vorschnellem Erfolg) Unterstützung (vgl. Ullrich, o. J., S. 11 f. und Arcisadm, o. J., S. 48). 

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    2.6.1.2 Gruppendiskussion


    Der Start einer Gruppendiskussion ist meist führerlos, erst während des Gespräches kristallisiert sich ein Führer heraus. Die Bewertung des Gespräches ist von der Zusammensetzung abhängig. Dabei wird nach Länge, Art und Qualität der Beiträge beurteilt. Punkten tut derjenige, wer eine gegensätzliche Positionen vermittelt, zurückhaltende Teilnehmer einbezieht und die Diskussion sanft moderiert, also immer sympathisch bleiben (Ullrich, o. J., S. 12).

    Es gibt vier Formen die bei einer Gruppendiskussion unterschieden werden:
     

    • Führungslose Diskussionen ohne Rolle

    • Führungslose Diskussionen mit Rolle, d. h. den Teilnehmer werden vordefinierte Rollen zugewiesen

    • Geführte Diskussionen ohne Rollen

    • Geführte Diskussionen mit Rollen (Unister, 2005)

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    2.6.1.3 Gruppendynamische Übungen


    Beobachtungskriterium dieser Übung ist die Sozialkompetenz. Dazu wird keine Rolle verteilt, trotzdem sollten die Teilnehmer am Ende gemeinsam zu einer Lösung kommen. Der Unterschied zur Gruppendiskussion besteht darin, dass eine konkrete Aufgabe (siehe dazu Beispiel 1 und 2) vorgegeben wird.

    Beispiel 1: Seenot Spiel:
    Die Teilnehmer sollen sich in die Situation versetzen, dass sie auf einem sinkenden Schiff befinden. Dabei steht Ihnen eine Inventarliste (z. B. Wasserkanister, Transistorradio, Nylon-Seil, Angelrute, Rasierspiegel, Moskitonetz, Seekarten, Motoröl, Mittel zur Abwehr von Haifischen, hochprozentiger Rum) zur Verfügung, wobei Sie sich auf eine Reihenfolge von fünf Gegenstände einigen müssen (vgl. Unister, 2005).

    Beispiel 1: NASA Spiel:
    Hierbei können die auf dem Mond gelandeten Teilnehmer nur wenige Gegenstände in Ihrem Space Shuttle mitnehmen um bis zur Raumstation oder der Erde zu gelangen (vgl. ebd). 

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    2.6.1.4 Rollenspiele


    Der Bewerber erhält eine schriftliche Spielanweisung, welche Informationen über Situation, Rolle, Handlungsvollmachten und ggf. das zu erreichende Ziel enthält. Die Dauer des Rollenspiels dauert zehn bis dreißig Minuten. Entscheidend ist nicht die Art der Lösung sondern die Art des Vorgehens, denn die kommunikativen und rhetorischen Fähigkeiten, Flexibilität sowie die Umsetzung von Teamarbeit in der Praxis sind wichtige Komponenten welche darzustellen sind. Deshalb setzt man Rollenspiele werden vorsätzlich in einem Assessment-Center eingebaut wenn es um Stellen mit Publikumsverkehr und Personalverantwortung geht (Ullrich, o. J., S. 14 und Arcisadm, o. J., S. 48).

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    2.6.1.5 Präsentation


    Jeder Teilnehmer soll in zehn bis fünfzehn Minuten ein Thema aus der Berufspraxis, einarbeiten und vorstellen. Die Bewertung richtet sich vor allem auf dem sachlich fundierten Inhalt sowie der Art und Weise des Vortrages, denn die Darbietung soll ein Geschenk an den Zuhörer sein. Bei der Planung der Präsentation ist zu beachten, dass nur relevante Informationen herauszufiltern und einen Unterhaltungswert zu schaffen. Dazu sind Overheadfolien und Flipcharts zu benutzen. Bedeutungsvoll sind auch nonverbale Gesten, die Pauseneinhaltung, sich nicht von unberechtigen Störungen unterbrechen zu lassen und gelegentlich wichtige Informationen zusammenzufassen (Ullrich, o. J., S. 11 f. und Arcisadm, o. J., S. 48).

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    2.6.1.6 Fallstudien


    Die den Fallstudien werden reale Projekte bearbeitet, bei denen sind Lösungen, Kosten-Nutzen-Analysen und Produktlebenszyklen zu erstellen sowie die Erfolgschancen für neue Märkte zu diskutieren. Hilfreich bei dieser Übung sind gesunder Menschenverstand, sachliche Überlegungen, strategisches und vernetztes Denken sowie enormes Team- und Networking (vgl. Ullrich, o. J., S. 14 f.).

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    2.6.2 Nicht – Situative Verfahren


    Zu dieser Gruppe zählen klassische Verfahren eines Assessment-Center zur Eignungdiagnostik, wie z. B. der Paper and Pencil Test, der biografische Fragebogen sowie das strukturierte Interview.

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    2.6.3 Tabuisierte Verfahren


    Bei diesem Verfahren werden sowohl Beobachter und Teilnehmer zur Durchführung des Assessment-Center zusammen in einem Hotel untergebracht. Somit ergibt sich zwangsläufig ein informeller Kontakt zwischen Teilnehmer und Beobachter. Deshalb wird dieses Verfahren, im Gegensatz zu den offiziellen (Nicht-) Situativen Verfahren, als offenes Geheimnis bezeichnet, da nicht relevante Verhaltensweisen außerhalb der Übungen die Gesamtbeurteilung der Kandidaten beeinflussen kann. 

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    2.7 Die rechtlichen Rahmenbedingungen


    Mit der Entwicklung und der anschließenden Implementierung müssen sich die Unternehmungen auch Gedanken über die rechtlichen Rahmenbedingungen machen, um sich vor der gesetzlichen Seite abzusichern. Welche Rechte und Pflichten hat das Unternehmen und welche die Kandidaten. Dabei ist zu unterscheiden, ob es sich um die Einstellung externer Bewerber handelt oder ob es sich an interne Mitarbeiter richtet. Bei der Einstellung neuer Mitarbeiter befinden sich die Unternehmung und der künftige Mitarbeiter in noch keinem festen Arbeitsverhältnis, deshalb müssen beide Vertragsparteien den anderen Vertragspartner über alle bedeutenden Sachen, in Bezug auf die Position informieren. Der künftige Arbeitgeber ist verpflichtet, über alles was das Assessment-Center betrifft zu informieren, sowie die Kosten für Anreise und Teilnahme am Assessment-Center zu tragen. Der Kandidat darf dem Unternehmen wiederum nicht vortäuschen, das er an dem Assessment-Center und der Position sehr interessiert ist, obwohl er das Assessment-Center nur durchlaufen möchte um Erfahrungen sammeln zu können. In beiden Fällen sind Schadensersatzansprüche möglich (vgl. Obermann, 1992, S. 67). Besteht jedoch ein Vertrag zwischen Arbeitgeber und Teilnehmer, muss das Unternehmen ebenfalls alle Informationen über das Assessment-Center bekannt geben. Ebenfalls hat der Kandidat Anspruch auf Befreiung von der Arbeit und das das Unternehmen die entstehenden Kosten übernimmt (vgl. Brenner, 2000, S. 129 ff.). Des Weiteren dürfen die psychologischen Tests in einem Assessment-Center nur von einer qualifizierten Fachkraft, einem Fachpsychologen durchgeführt werden und der Kandidat muss diesem Test ausdrücklich zu stimmen. In Einzellinterviews sind zulässige Fragen wahrheitsgemäß zu beantworten, bewusst falsche Antworten, ohne rechtliche Schwierigkeiten, sind nur bei unzulässigern Fragen möglich. Das Unternehmen ist außerdem verpflichtet ein Feedbackgespräch (siehe Kapitel 2.8) mit der Mitteilung des Ergebnisses durchzuführen, egal wie das Ergebnis lautet. Durch die Teilnahme am Assessment-Center haben die Kandidaten kein Anspruch auf einen Arbeitsvertrag, denn die Voraussetzungen für die Besetzung legt der Arbeitgeber fest. Der Betriebsrat hat Aufgrund des Betriebsratgesetzes ein Mitbestimmungsrecht bei der Einstellung neuer Mitarbeiter sowie bei einer Versetzung, ebenfalls fällt das Assessment-Center darunter. Dies ist in einer Betriebsvereinbarung zwischen Betriebsrat und Unternehmensleitung vereinbart (vgl. ebd., S. 130). Die gesetzlichen Regelungen, die das Assessment-Center, den Kandidaten sowie das Unternehmen absichern sind nur ansatzweise juristisch bearbeitet und können deshalb nicht vollständig aufgezählt werden. Jedoch können folgende Paragrafen in den rechtlichen Überlegungen mit einfließen:

     

    • Art. 1 Abs. 1 und Art. 2 Abs. 2 GG

    • § 123 Abs.1 und 2 BGB; § 134 BGB; § 138 Abs. 1 und 2 BGB; § 183 BGB

    • § 92 Abs. 1 BetrVG; § 94 Abs. 1 und 2 BetrVG und § 95 Abs.1 BetrVG

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    2.8 Das Feedback


    Bei diesem Gespräche werden die Assessoren dem Kandidaten die Beobachtungen und resultierenden Ergebnisse mitteilen. Dieses Gespräch muss vorher vom Unternehmen gründlich vorbereitet werden. Der Kandidat erhält eine Einschätzung dessen, wie die übertragenden Aufgaben von ihm erfüllt wurden. In der Regel erfolgt das Feedback-Gespräch am Anschluss eines Assessment-Center. Noch heute verzichten einige Unternehmen auf das Feedback oder richten sich dazu telefonisch an den Kandidaten. Der Aufbau des Gespräches orientiert sich an den Übungen des Assessment-Center und sollte in einem Dialog zwischen Assessor und Kandidat stattfinden. Dabei sollte das Gespräch auf den Stärken des Kandidaten aufgebaut werden, d. h. nicht, dass die Schwächen nicht benannt werden dürfen. Die genannten Schwächen sollten in einem Vorschlag zu Verbesserung des Potenzials verpackt werden (vgl. Obermann, 1992, S. 210 und o. V., 2001, S. 1 ff.)

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    2.9 Ziel des Assessment Center


    Das Ziel eines Assessment-Centers ist es, Führungskompetenzen festzustellen, eine größere Sicherheit für eine sachgerechte Auswahl und Förderung von Führungskräften zu erreichen. In Abhängigkeit vom Einsatzweck können auch folgende Ziele verfolgt werden:

    (1) Eine institutionalisierte und systematische Leistungsbeurteilung, die eine Steigerung deren Leistungsbereitschaft und -fähigkeit bewirken soll,

    (2) Ansatzpunkte für individuelle Personalentwicklungsmaßnahmen,

    (3) Erzielen einer größeren Akzeptanz der Auswahl- und Förderentscheidungen beim Management und bei Teilnehmern und

    (4) Gewährleistung der Chancengleichheit (vgl. Horsch, 2000, S. 93).

    Potenzielle Zielsetzungen welche für das Personalmanagement von besonderer Bedeutung sind gehen aus der Abbildung 3-2 hervor.

     

    potenzielle Zielsetzungen eines Assessment Center

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    2.10 Risikofaktoren


    Die Schwachpunkte des Assessment-Center sind der Zeit- und Kostenaufwand um den entsprechenden Kandidaten zu finden. Im Vergleich zu manchen Resultaten dieses Auswahlverfahrens sind die Kosten relativ hoch. Die Bewerber neigen zu auch dazu das Verhalten zu verzerren, indem sie sich anders zeigen als in Wirklichkeit. Diese Verhaltensverzerrung ist ein weiterer Schwachpunkt des Assessment-Center. Des Weiteren treten Wahrnehmungsunterschiede bei den einzelnen Assessoren auf, denn Sie nehmen das Verhalten der Bewerber selektiv wahr und protokollieren die Eindrücke somit verzerrt und es kommt zu Fehlentscheidungen. Folgende Verzerrungs- bzw. Verfälschungstendenzen sind möglich:

    Überstrahlungseffekt
    Ein Beobachter orientiert sich z. B. am Gesamteindruck oder einem anderen besonderen Merkmal des Bewerbers und schließt daraus andere, damit zusammenhängende, Merkmale.

    Positionseffekt
    Damit ist die Beeinflussung der ganzen Beurteilung gemeint, die durch den ersten oder auch letzten Eindruck entsteht.

    Milde-/Strengeeffekt
    Ein Beobachter gibt prinzipiell gute Urteile ab oder beurteilt Ihm sympathische Bewerber besser (Self Full Filling Prophecy). Wird jedoch dem Beobachter seine Milde bewusst, neigt er zu überstrengen Urteilen. Darum sollen neutrale Urteile gefällt und bevorzugt werden (vgl. Mertens, 2005, S. 81 ff.).

    Erwartungseffekt
    Ein Beobachter lässt sich von ungeprüften Thesen leiten und neigt somit zur Stereotypisierung. Weitere Faktoren sind z. B. Akzeptanzprobleme, Zweifel ans der Relevanz der Übungen, Fragen des Persönlichkeitsschutz oder Entmachtungsängste der Linienchefs. Aus der Sicht der Kandidaten gibt es auch Schwachstellen. Dadurch das im Assessment-Center viele Bewerber nicht an die offene Stelle gelangen erhielt das AC auch den Spitznamen “Assassination Center“. Wie schon oben erwähnt besteht die Gefahr der Persönlichkeitsphäre wodurch eine Art „Gladiatorenkampf” zwischen den Teilnehmern stattfindet (vgl. Hesse/Schrader, 1998, S. 1 ff.).

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    3 Assessment Center Verfahren in der Kritik


    Kritiker werfen dem Assessment-Center-Verfahren vor, dass Aufwand und Nutzen in keinem Verhältnis stehen, dennoch wächst die Zahl der Unternehmen, die sich der Hilfe des Verfahrens bedienen, um ihre Personalentscheidungen zu untermauern. Zu hoch erscheint das Risiko, lediglich auf Grund der Urteile von einzelnen Vorgesetzten Mitarbeiter zu entwickeln und in wichtige Positionen zu heben. Gleichzeitig wird das Assessment-Center-Verfahren höchst ambivalent beurteilt. „Werden wir den Kandidaten wirklich gerecht?“ - „Können wir in drei Tagen die ‘wahre’ Persönlichkeit erkennen?“ - „Frustrieren wir nicht all diejenigen, denen wir kein oder geringes Potential für Führungsaufgaben bescheinigen?“ Teilnehmer reagieren erleichtert, wenn sie eine positive Rückmeldung erhalten. Dagegen sind Sie frustriert und enttäuscht, wenn die Rückmeldung überwiegend negativ ausfällt. Ähnlich geht es den „entsendenden“ Vorgesetzten, deren Einschätzung entweder bestätigt oder korrigiert wird (vgl. Parak-Winkler, 2004, S. 25)

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    Literaturverzeichnis


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